Warum zwei Welten?

Das Beste aus zwei Welten – das ist etwas, das mich schon mein Leben lang begleitet. Ich war schon oft in meinem Leben in zwei oder noch mehr Welten zuhause: im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Als Kind bin ich mit meinen Eltern nach Puerto Rico gezogen, ich war also für einige Jahre in Europa und in der Karibik zuhause. Dieser Umstand hat wiederum viele andere unterschiedliche Welten mit sich gebracht. Als ich wieder nach Deutschland kam, habe ich mich wieder zwischen zwei Welten gefühlt. Ich fühlte mich anders als die anderen Kinder, die mich immer wieder fragten, wie es denn so in Costa Rica gewesen sei. :/ Aber ich habe diese Zweiseitigkeit nie als negativ empfunden, sondern immer als etwas besonderes.

Zwei Welten haben sich wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen. Ich hatte (und habe) zwei Familien, die beide ihre guten und ihre schlechten Seiten haben. Auch meine Freunde haben ganz unterschiedliche Hintergründe: da sind meine alten Schulfreunde, die nie Alkohol trinken, die neuen Freunde, die Kinder im gleichen Alter wie unsere haben, die mittelalten Freunde, die keine Kinder haben, die Bekannten, die immer noch jedes Wochenende ausgehen, usw. Auch ich selbst hatte schon immer zwei Seiten: ich konnte feiern bis morgens um sechs, dabei rauchen und trinken und am nächsten Morgen drei Stunden durch den Wald wandern, um in völliger Ruhe Blätter, Zapfen und kleine Steine zu sammeln. Um ehrlich zu sein, haben mich Menschen, die zu sehr in einer einzigen Welt leben, schon immer erschreckt.

Ich kann Leute verstehen, die so von etwas angetan sind, dass sie es total strikt und in aller Konsequenz durchziehen. Manchmal beneide ich diese Menschen sogar um diese Disziplin, die mir in manchen Dingen wohl einfach fehlt. Aber eigentlich liebe ich es, dass ich so bin wie ich bin. Und das beste: mein Mann ist genauso. Ich würde uns dabei nicht als inkonsequent bezeichnen – es gibt Dinge, bei denen auch wir kompromisslos sind. Aber wir sind in vielen Dingen einfach locker und das macht uns frei. Hardliner (sei es was Essen, Religion, Politik, Sport oder auch die Kindererziehung angeht) finde ich oft gefährlich – für sich selbst und andere. Den Preis den man für völlige Kompromisslosigkeit zahlt wäre mir bei vielen Dingen einfach zu hoch.

Mein Mann und ich haben uns mit Sicherheit verändert, seit wir Kinder haben, aber ich denke, dass wir den Spagat zwischen den unterschiedlichen Welten trotzdem gut hinbekommen. Wir gammeln abends vor dem Fernseher rum und schauen fünf Folgen von Homeland hintereinander; wir gehen abends mit Freunden was trinken; wir gehen zusammen ins Kino; wir graben zusammen den Garten um; wir gehen mit den Kindern in den amerikanischen Diner und essen Burger bis wir platzen; wir züchten selbst Gemüse und machen unsere eigene Marmelade – kurzum: wir hüpfen fröhlich (und zum Glück auch oft gemeinsam!) zwischen den Welten hin und her.

Auch ganz praktisch gesehen leben wir in zwei Welten: dadurch, dass mein Mann Schwede ist, habe ich das Glück, Zugang zu dem Land zu bekommen, von dem ich schon als Kind geträumt habe. Wie viele andere meiner Generation habe ich meine Kindheit mit Büchern und Filmen von Pippi, Emil (Michel aus Lönneberga), den Brüdern Löwenherz und den Kindern aus der Krachmacherstraße verbracht. Es ist so spannend, jetzt, als Erwachsene, durch unsere schwedische Familie und die Freunde dort, einen Einblick in das „richtige Schweden“ zu bekommen. Lebensstile, Vorstellungen, Ansichten, Einrichtung, Essen – es gibt so vieles was anders ist. Somit kommt natürlich ein großer Teil meiner Inspiration aus Schweden bzw. der skandinavischen Welt: allen voran beim Essen und beim Design. Außerdem habe ich viele Denkanstöße bekommen durch das Zusammentreffen und den Vergleich dieser beiden Welten. Dabei war es auch eine für mich überwältigende Erfahrung, dass tatsächlich nicht ALLES in Schweden besser und cooler ist als in Deutschland.

2 Gedanken zu „Warum zwei Welten?

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