Papas Geburtstag

Es ist Freitag, der 6. Januar 2017. Morgens um 9:47 wache ich auf. Mein Mann liegt neben mir. Er schnarcht. Von oben höre ich die Stimmen unserer drei Kinder. Sie diskutieren. Es geht um irgendetwas mit Lego, Eisbären und Elsa. Fuck. Ich wecke meinen Mann. Wir müssen uns beeilen. Um elf müssen wir zum Brunch bei meinem Papa sein. Er feiert heute seinen 56.ten Geburtstag. Davor muss aber noch der Hund raus, wir müssen uns einigermaßen stadtfein machen und vor allem die Kinder müssen davon überzeugt werden, dass sie sich heute bereits vor 14 Uhr aus ihren Schlafanzügen schälen müssen. Der Weihnachtsferien-Modus hat uns nämlich momentan fest im Griff. Mein Mann brummt vor sich hin. Ich versuche nun etwas eindringlicher, ihn zu wecken. Als ich aufstehe, versucht er, mich zurück ins Bett zu ziehen. Ich wehre mich schweren Herzens gegen seine Hank-Moody-Moves und entfliehe im letzten Moment dem Bett. Ich gehe duschen, schminke mich, ziehe mich an, trommle die Kinder zusammen, helfe ihnen bei der Wahl der Festtagskleidung, prügle meinen Mann aus dem Bett, wickle den Kleinsten, treibe meinen Mann dazu an, endlich mit dem Hund rauszugehen, mache uns beiden einen Kaffee, flechte meiner Tochter einen französischen Zopf, knöpfe meinem Großen das Hemd richtig zu und schaffe es schließlich, uns alle einigermaßen pünktlich ins Auto zu verfrachten.

Und dann …

Dann wache ich auf. Es ist der 6. Januar 2017 und wir werden nicht zu meinem Papa fahren. Denn mein Papa ist vor knapp zwölf Jahren gestorben. An diesem kleinkarierten, windigen kleinen Arsch namens Krebs. Meine, unsere, Kinder hat er nie kennengelernt. Und meine Kinder haben ihn nie kennengelernt. Noch wissen sie nicht, was ihnen dadurch entgangen ist. Was für ein unglaublicher Opa er gewesen wäre. Er liebte Kinder. Er hätte meine Kinder bis zur Besinnungslosigkeit geliebt. Er war Musiker, Schauspieler und Regisseur. Er war ein Freigeist. Er war nicht einfach. Aber einer der tollsten Menschen, die ich jemals kennengelernt habe. Ich vermisse ihn schmerzlich. Jeden Tag. Es reißt mir das Herz raus. Jeden Tag.

Aber ich mache weiter. Und meine Schwestern machen weiter. Weil wir wollen. Weil wir müssen. Und weil wir es ihm schuldig sind. Weil jeder Tag ein geschenkter Tag ist. Weil wirklich alles andere verblasst und unwichtig erscheint im Angesicht des Verlusts und des Todes. Und weil es nichts gibt, was wertvoller ist als das Leben. Abgedroschen, aber wahr. Amen.

Ich weiß, dass er zusieht. Dass er meine Kinder, meine Schwestern und uns alle sieht. Und dass er sich freut. Jeden Tag. Darüber, dass wir weitermachen. Auch wenn wir weinen.

Projekt Liebesbrief

Neulich traf ich mich mit meiner kleinsten Schwester und sie erzählte mir von dem Geburtstagsgeschenk, das sie von ihrem Freund bekommen hatte: einen Liebesbrief. Sie hat mir nicht erzählt, was darin steht, sondern nur, wie schön es war, einen solchen Brief zu bekommen. Irgendetwas in der Art wie sie es erzählt hat, hat mich so berührt, dass ich mir sofort vornahm, meinem Mann auch mal wieder eine solche Botschaft zu schreiben.

Mit diesem Gedanken im Kopf verließ ich das Café. Später an diesem Tag, in einem ganz anderen Zusammenhang, musste ich an eine liebe Freundin von mir denken, die ein unendlich großes Herz hat und auch in der Lage ist, diese Liebe nach außen zu tragen. Sie ist einer der wenigen Menschen, die ich kenne, die regelmäßig Sachen sagen wie „Oh, das Kleid steht dir aber richtig gut!“ oder „Du siehst heute so schön aus!“. Vielleicht liegt es daran, dass sie Halbschwedin ist!? Auf jeden Fall musste ich an sie denken und daran, wie schön es ist, nette Dinge von jemand anderem zu hören. Und mir fiel auf, dass ich mir nicht sicher war, ob ich ihr schon jemals gesagt hatte, wie wundervoll ich ihre Art finde. Das brachte mich auf den Gedanken, dass ich ja auch ihr mal einen „Liebesbrief“ schreiben könnte. Natürlich keinen in der Art, wie ich ihm meinem Mann schreiben würde, sondern einfach einen Brief voller netter Sachen. Das wiederum brachte mich dazu, darüber nachzudenken, wem ich eigentlich alles gerne mal sagen würde, wie gerne ich ihn oder sie habe und was ich an ihm/ihr so mag. Mein eigenes kleines LoveLetterProject. Ich denke ich fange gleich mal damit an ♡

liebe a, du bist ein solch herzlicher mensch! du beeindruckst mich immer wieder durch deine unvergleichlich nette und ehrliche art

lieber t, danke für deine jahrelange freundschaft. du bist einfach awesome, bro!

liebe s, ich bin so froh darüber, dass wir unser band wieder enger knüpfen

liebe m, du bist das beste, was j passieren konnte. wir sind so glücklich dich (und k) gefunden zu haben.

liebe d, k, lieber r, s, ihr seid so herzensgute menschen. danke für diese neue freundschaft

Schmerzhaft intim irgendwie. Aber warum ist es eigentlich so merkwürdig, nette Sachen zu sagen und zu schreiben? Ich hätte kein Problem damit, mich an dieser Stelle satirisch, ironisch und auch ein bisschen böse über manch anderen Menschen zu äußern. Liebes- und Freundschaftsbekundungen auszusprechen fühlt sich hingegen komisch an.

Egal jetzt. Augen zu und durch!

liebe k, ich freue mich darauf, dich bald wieder hier in der nähe zu haben. auch wenn es nur für kurze zeit sein wird

kära j, m, m, m, jag saknar er så jäkla mycket

liebe m, danke, dass du so eine tolle oma bist. älskar dig

liebe l, danke für die inspiration. liebe dich!

lieber h, du och jag

LOVE

sprinkle that shit everywhere

it doesn’t cost a thing

it only takes some courage