Schon nachhaltig genervt?

Geht es euch manchmal so, dass ihr denkt: Danke, aber ich habe jetzt wirklich genug Jutebeutel, Einkaufsnetze, Edelstahlbrotboxen und mit Bio-Amaranth gefüllte Gläser gesehen (natürlich aus dem Unverpacktladen)? Ist eure Toleranz für Zahnbürsten aus Bambus, selbstgenähte Abschminkpads und Menstruationstassen überschritten?

Kann ich verstehen. Und ich glaube, es gibt ein paar Dinge, die muss man auch gar nicht mehr erklären. Ich denke, dass die wenigsten Menschen, zumindest die aus der Mittelschicht-Instagram-Bio-Zitronen-Fraktion – zu der ich mich im Übrigen auch zähle, obwohl ich nicht im Prenzlauer Berg wohne (noch nicht einmal in Berlin, um genau zu sein) – noch völlig ohne nachzudenken Plastiktüten oder -verpackungen kaufen, geschweige denn sie einfach in den nächsten Fluss schmeissen. Auch wenn beim Thema Nachhaltigkeit mit Sicherheit noch enorm viel Luft nach oben ist, würde ich doch behaupten, dass sich bei vielen Menschen zumindest ein leises Bewusstsein dafür eingestellt hat.

Aus genau diesem Grund möchte ich euch auch nichts von Netzen, Beuteln oder anderen, umweltfreundlichen Verpackungen erzählen, sondern ein paar Dinge mit euch teilen, die außergewöhnlich nachhaltig sind. Also nicht in besonderem Maße nachhaltig, sondern auf eine spezielle Art …

Mein erster Tipp: Benutzt einen Teigschaber. Wenn man sich überlegt, wie viel Joghurt zum Beispiel im Glas übrig bleibt, wenn man versucht, es mit einem großen Löffel auszukratzen, dann ist das auf Dauer schon ganz schön verschwenderisch. Alternativ dazu kann man natürlich auch einen Hund benutzen. Das wirkt in jedem Fall der Verschwendung entgegen … Aber wenn man selbst auch etwas davon haben möchte oder man einfach gerade keinen Hund zur Hand hat, dann doch lieber den Teigschaber benutzen. Fun Fact: Nicht, dass ich dieses Beispiel nur deswegen herausgesucht hätte, aber wusstet ihr eigentlich, dass dieses Küchenutensil auf Schwedisch slickepott heißt? Topfschlecker also. Ist das nicht geil? Ein ziemlich selbsterklärendes Wort, würde ich sagen. Und viel schöner als das deutsche Teigschaber.

Mein zweiter Tipp, den ich im Übrigen auch von einer schwedischen Freundin habe, lautet: Sprühflasche mit Spüli. Ok, das ist vielleicht nicht ganz so selbsterklärend. Ich habe eine Flasche, die ich zu circa 1/5 mit Spülmittel und zu 4/5 mit Wasser befülle. So spare ich ganz viel Spüli und gleichzeitig ist die Mischung super, um damit z.B. Dinge einzuweichen oder auch, um den Esstisch damit einzusprühen, wenn das Baby gerade ein Spinat-Inferno hinterlassen hat. Übrigens ist die Flasche, die ich benutze, aus Plastik. Ja, ihr habt richtig gelesen: Plaste-Elaste. Denn man muss ja auch mal die Kirche im Dorf lassen. Der Nutzen, den ich davon habe, bzw. die Ersparnis an Spülmittel wiegt in meinen Augen in diesem Fall den Nachteil des bösen Plastiks wieder auf. Außerdem hatte ich diese Flasche ursprünglich mal zum Einweichen von Bügelwäsche angeschafft. Da ich aber so gut wie nie bügle, ist die Flasche in der Küche definitiv besser aufgehoben.

Tipp 3: Ehrlich friert am längsten! Hä, was? Ich habe festgestellt, dass meine Familie bei vielen Gerichten unwillens ist, das Gleiche am nächsten Tag noch einmal zu essen. Früher habe ich es dann einfach in den Kühlschrank gestellt und gehofft, dass es vielleicht doch noch jemanden anlacht. Aber vergeblich – oft landete das Essen dann im Müll. Bei einigen Dingen klappt es natürlich hervorragend mit der Weiterverarbeitung: Pfannkuchen werden zB. gerne klein geschnitten und mit Käse oder Schinken angebraten. Oder Kartoffelbrei wird zu Kartoffelwaffeln verarbeitet. Herrje, ich habe sogar schon zu Butter geschlagene Sahne in einem Waffelteig verwurstet. Aber bei anderen Dingen läuft das einfach nicht. Deswegen habe ich mir angewöhnt, diese Reste direkt einzufrieren. Zwei Schöpfkellen Bolo? Ab in den Gefrierschrank. Beim nächsten Mal einfach als Grundlage benutzen. Ein Rest Brühe mit Fleisch- oder Gemüseeinlage? Dito. Ich halte es übrigens genauso mit Lebensmitteln, die ich frisch gekauft habe, aber dann eventuell doch nicht wie geplant brauche. Better safe than sorry. Ich kann das Hackfleisch auch am nächsten Tag wieder auftauen. Alles ist besser als wegschmeißen.

Ganz toll, um Reste zu verwerten finde ich übrigens Pizza oder Flammkuchen. Gerade, wenn eine längere Reise ansteht und man noch allerhand mehr oder weniger große Reste hat, bietet sich das an. Man kann jegliche Käse-, Gemüse-, Saucen-, Schmand-, Frischkäse- oder sonstige Reste darauf schmeißen. Blauschimmelkäse, Oliven, Mascarpone, Salami, Schinken, getrocknete Tomaten, Zucchini, Lachs, Edamer, Gouda, Pilze, Kapern, Kräuter – alles kann, nichts muss. Auf Flammkuchen lässt sich sogar Obst verwerten: Birnen, Äpfel, Nektarinen oder Pfirsiche, Trauben, ein Rest Apfelmus – alles geht. Abgerundet mit ein bisschen Zimt, ein paar Kernen, ein wenig Honig – deliziös. Genauso halte ich es übrigens mit wabbeligem Obst: Alles, was leicht matschig ist oder mehlig, wird entweder direkt versmoothiefiziert oder eingefroren. Als Marmeladenbasis oder für eine Fruchtsauce. Pro Tipp: Alles beschriften! Ich denke immer ich brauche das nicht, und dann stehe ich rätselnd vor den diversen Sachen und versuche zu erraten, ob es sich nun um pürierte Erdbeeren oder Tomatensauce handelt …

Was sich für uns auch bewährt hat, sind Waschlappen in der Küche. Da wir ja eher so die Typen sind, die ihre Kinder (vor allem die kleineren) frei essen lassen, ist die Sauerei oft groß. Mund, Hände, Stirn, Nacken, Ohren, Knie, Fußsohlen – alles kann in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Dazu kommen dann noch der Hochstuhl, der Tisch, die Trinkflasche, you name it. Damit wir dann nicht immer Taschentücher oder Küchenrolle benutzen müssen, haben wir Dutzende kleiner Waschlappen in der Küche.

Ja, ich denke, das muss jetzt erst einmal reichen. Wenn ihr selbst noch coole Tipps für ein etwas umweltbewussteres, nachhaltigeres Leben habt: Immer her damit! Entweder hier oder auf Instagram. Ich würde mich in jedem Fall wahnsinnig freuen!

2 Gedanken zu „Schon nachhaltig genervt?

  1. Beatrix sagt:

    Du sprichts mir aus dem Herzen Danke!
    Wir haben zwar alles andere als kleinen Kinder,16, 17 und 19 aber, ich habe meine alten Handtücher zerschnitten , mit zickzack umnäht und jetzt auch eine Menge Lappen, die den Gebrauch der Küchenrollen fast ersetzen!
    Liebe Grüße
    Beatrix

  2. Samira sagt:

    Man sollte in der heutigen Zeit definitiv darauf achten nicht zu verschwenderisch zu leben und wie du selbst schreibst, auf Plastiktüten und allen unnötigen Plastikkram verzichten. Aber ja: man sollte auch die Kirche im Dorf lassen. Ich habe eine Bekannte die Maccaroni als Trinkhalme benutzt (alternativ könnte man auch einfach gar keine verwenden) und die Klamotten nur noch mit Kastanien wäscht… ja, Kastanien! ich habe keine Ahnung wie das funktionieren soll, aber anscheinend geht es. Das wäre für mich persönlich zu krass und auch viel zu viel Aufwand, ständig auf Kastaniensuche zu gehen. Trotzdem soll jeder natürlich das machen, was er gerne möchte. Man sollte einfach schauen was die Umwelt zur Zeit wirklich belastet und auf was man auf jeden Fall verzichten kann. Wenn dann nur ein Mensch unter Millionen beginnt die Wäsche mit Kastanien zu waschen, hat davon sicher niemand einen Nutzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.