Raus raus raus

Mit Kindern kommt es durchaus öfter einmal vor, dass man einen Lagerkoller bekommt. Es gibt Momente, da sind alle durch den Wind, leicht gereizt, müde, muffig oder alles auf einmal. Wie oft wollte ich schon meinen Mann erwürgen, die Kinder kopfüber aus dem Fenster hängen, den Hund auf den Mond schießen und auch mich selbst am liebsten in die Erde rammen. Es sind diese unschönen Phasen, die bei uns vor allem gerne mal am Sonntagnachmittag einsetzen, wenn alle couchlägerig und nachmittagsmüde sind. Besonders oft kommt es vor, wenn das Wetter nicht von sich aus schreit: „Kommt alle raus! Es ist herrlich hier!“

Dieser lähmende, unbefriedigende Zustand kennt nur ein Gegenmittel: den Spaziergang. Egal ob man läuft, das Rad oder den Roller nimmt, auf den Spielplatz, den Basketballplatz oder auch einfach nur einmal um den Block geht –  es hilft. Ehrlich. Dabei ist es auch egal, ob es draußen regnet, stürmt oder schneit.

Einer der besten Ausflüge war mit meiner Mutter und den Kindern, als mein Mann am Wochenende weg war und ein mittelschwerer Lagerkoller  uns alle zu übermannen drohte. Es war richtig mieses Kackwetter, mit stundenlangem Regen und einem allumfassenden Grau. Nach einigen Zickereien und am Rande des Nervenzusammenbruchs beschlossen wir eine Runde auf den Spielplatz zu gehen. Die Reaktion der Kinder war auch so, dass man sich gleich erschießen wollte. Aber egal, durch! Und was ist passiert? Auf dem Spielplatz entdeckten wir, wie irre viel Spaß es macht, mit Matschhosen eine vollberegnete Rutsche runterzurutschen. Obwohl anfänglich keiner raus wollte, war es am Ende schwer, die Kinder wieder nach Hause zu bekommen. Obwohl sie völlig durchnässt und von oben bis untern voller Matsch waren, waren sie zutiefst zufrieden. Zu Hause haben wir alle in die Wanne gesteckt und nach einer Runde Räuberessen konnten wir die Blagen zufrieden und müde ins Bett bringen. Halleluja.

Deswegen die Devise: auch wenn es anstrengend, mühsam, umständlich und unnötig erscheint – wenn man das Gefühl hat nichts geht mehr: raus raus raus!

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