Haufen machen

Als wir letztes Jahr eine große Tour durch Schweden machten, haben wir auf dem Weg zu meinen Schwiegereltern einige Kindheitsfreunde meines Mannes besucht und auch teilweise bei Ihnen zuhause übernachtet. Ich finde es ja immer irre spannend, zu beobachten wie andere Familien so leben.

Bei Familie Taavo, die südlich von Stockholm wohnt, ist es immer besonders nett und spannend. Die beiden haben eine Tochter, die ein Jahr älter ist als unser ältester Sohn und dann noch Zwillinge, die so alt sind wie er. Sie haben also innerhalb eines Jahres drei Kinder bekommen. Ich weiß, dass die erste Zeit mit den Zwillinge unheimlich hart war, aber irgendwie haben sie es hinbekommen nicht völlig wahnsinnig zu werden und erwarten sogar mittlerweile ihr viertes Kind (diesmal wird es ein Junge)!!!

Da die baden-württembergischen Schulferien fast völlig konträr zu den schwedischen Sommerferien sind, waren wir bei Ihnen als die Mädchen schon wieder Schule hatten. Als der Tag langsam zu Ende ging, hörte ich die Mutter ihre Mädels etwas fragen, dass sich für mich anhörte wie „Habt ihr schon eure Haufen gemacht?“ Nun spreche ich relativ gut Schwedisch, aber diese Frage irritierte mich und ich dachte, ich hätte etwas falsch verstanden. Also fragte ich nach. Aber nein, ich hatte richtig verstanden. Meine Bekannte erklärte mir, dass sie schon vor länger Zeit eingeführt hätten, dass ihre Töchter abends das rauslegten, was sie am nächsten Tag anziehen wollten, um morgens die Hektik ein bisschen geringer zu halten. Einen Klamottenhaufen also. Ha. Das leuchtete mir ein. Denn wie oft hatte ich schon morgens stundenlange Diskussionen (vor allem mit meiner Tochter) darüber geführt, ob sie nun die rosafarbene oder die blaue Leggings oder vielleicht doch lieber eine Strumpfhose und ein Kleid anziehen sollte. Diese Debatten sind naturgemäß frustrierend, aber wenn noch der morgendliche Stress dazukommt … pfff … Drama!

Im darauffolgenden Herbst praktizierten wir also die neu gelernte Methode. Und ich muss sagen, es funktionierte wirklich wunderbar! Meine Kinder (wieder vor allem meine Tochter) legten mit großem Ernst und höchster Sorgfalt abends ihre Klamotten raus und freuten sich am nächsten Tag darüber, dass alles schon bereit lag.

Ich muss sagen, dass wir das System über den Sommer wieder vernachlässigt haben, da schlicht die Notwendigkeit nicht so da ist. Wenn es warm ist, ist es einfach klar, dass man einen Rock oder eine kurze Hose und ein T-Shirt anzieht. Basta. Aber jetzt, wo es auf einmal wieder extrem wechselhaft ist, und die Kinder morgens wieder fragen: „Was soll ich anziehen? Wird es warm oder kalt? Regnet es? Brauche ich auch Socken?“, ist mir das Haufen machen wieder eingefallen. Und ab morgen Abend werden bei uns wieder schöne, fertige Haufen liegen, die nur auf den nächsten Morgen warten. :)

 

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