Educating Anna

Mein langer Weg zur Blogfamilia  

Hi. Ich bin Anna. Und ich bin Bloggerin. Aber das war nicht immer so.

Irgendwann im Jahre 2015 starte ich meinen Blog. Mein drittes Kind ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr alt und ich will schreiben, erzählen, mich austauschen und einfach mal sehen, wohin das Ganze führt. Wenn mich jemand fragt, was ich da mache, antworte ich verschämt, dass ich (noch) so einen Mama-Blog habe. Diese Formulierung geht mir gerade so über die Lippen. Einen Blog „zu haben“ – das ist irgendwie abstrakt genug. 

Im Jahr 2017 stolpere ich dann das erste Mal über die Blogfamilia. Das klingt nach einer tollen Sache, aber doch nicht für mich! Ich bin doch nur so ein kleiner Stern am großen Blogger-Firmament! Was heißt kleiner Stern – eigentlich fühle ich mich überhaupt nicht als Blogger. Blogger, das sind die anderen. Die, die wirklich was zu sagen haben. Die, die viele Kommentare bekommen. Die, die viele Follower haben. Aber ich doch nicht. Ich bin doch nur eine Anna, die schreibt. Und nicht mal auf den Vornamen habe ich das Monopol. Wie war das da bei Dada?

Ein Jahr später hätte ich mich vielleicht sogar getraut zu kommen. Aber da ist mein jüngstes Kind gerade erst 2 Monate alt. Das geht dann natürlich nicht. Viel zu weit, zu umständlich. Puh. Noch einmal Glück gehabt. 

Doch dann kommt das Jahr 2019. Und in diesem Jahr ist alles anders. Denn in diesem Jahr sind mir die Ausreden ausgegangen. Und die Ängste. Denn seit diesem Jahr habe ich einen gemeinsamen Podcast mit meiner Freundin Judith. Judith, das ist die Frau, die ich erst seit einem Jahr kenne, die, die ich (vor der Blogfamilia) erst ein einziges Mal live und in Farbe gesehen habe. Trotzdem ist sie meine Freundin. Denn mit Freundschaften ist es wie mit dem Bloggen: Es ist, was du daraus machst. 

Als das Ticketing startet, ruft mich Judith an und sagt: „Es geht los! Ich buche uns jetzt zwei Tickets.“ Und es klappt. Da bin ich erstmal sprachlos. Es soll also wirklich sein. Der Umstand, dass Judith in Berlin wohnt, vereinfacht die Sache noch. Ich buche also die Zugtickets und damit soll dem Besuch der Bloggerkonferenz nichts mehr im Wege stehen.

Und schwups haben wir die Woche vor der Blogfamilia. Ich bin schon ziemlich aufgeregt und überlege mir, was ich noch alles erledigen, packen und besorgen muss bevor ich nach Berlin fahre. Und dann passiert es. Meine jüngste Tochter stürzt aus circa 1,40 m Höhe vom Hochbett ihres Bruders. Zum Glück haben wir seit kurzem einen ganz dicken Teppich im Kinderzimmer. Er verhindert vermutlich das Schlimmste. Nach dem ersten Schock rufe ich meine Freundin an, die Ärztin ist. Dann Rettungsdienst. Krankenwagen. Notarzt. Kinderklinik. Langes Warten. Untersuchung. Eine Nacht in der Klinik. Angeschlossen an Monitoren. Blutdruckmessgerät. Pupillen-Check alle zwei Stunden. Kein Schlaf für mich. Nach 24 Stunden verlassen wir die Klinik wieder. Alle sagen, dass es gut aussieht, aber dass man eben erst nach 48 Stunden wirklich Entwarnung geben kann. Eine weitere unruhige Nacht folgt, in der ich alle zwei Stunden die Pupillenreaktion meiner Tochter überprüfe. Dann endlich sind die fiesen 48 Stunden um. Entwarnung also. 

Ich bin trotzdem unsicher, ob ich nach Berlin fahren kann. Fahren darf. Fahren will. Meine Mutter fragt, ob ich es tun werde. Ich weiß nicht so recht, was ich antworten soll. Da kommt mir mein Mann zuvor und sagt ganz locker: „Natürlich fährt sie.“ Das lässt mich aufatmen. 

Freitags fahre ich dann also wirklich los. Die ersten zwei Stunden im Zug heule ich unentwegt. Ich frage mich die ganze Zeit, ob es die richtige Entscheidung war. Ob ich wirklich meine Tochter „zurücklassen“ darf. Ob der Unfall nicht vielleicht ein Zeichen war. Ein Zeichen dafür, dass ich nicht fahren soll. Als ich in Frankfurt umsteigen muss, überlege ich kurz, einfach wieder nach Hause zu fahren. Aber dann sehe ich diese Reise als Prüfung. Als Herausforderung, für das einzustehen, was mir wichtig ist. Für meine Karriere sozusagen. Denn ich habe ja einen Blog. Und einen Podcast. 

In Berlin angekommen ist es schon ein bisschen besser. Ich freue mich auf Judith und ihre Jungs nehmen mich gleich wunderbar an und in Beschlag. Wir essen zusammen, reden, trinken Wein und geniessen einfach, dass wir ausnahmsweise mal keine technischen Geräte für unser Gespräch benötigen. Ich rufe meinen Mann und versichere mich, dass Zuhause alles in Ordnung ist. So langsam entspanne ich mich. 

Am nächsten Morgen ist es dann wirklich soweit. Wir fahren zusammen zum Hotel. Melden uns an, schlendern durch die Halle. Treffen einige bekannte, viele unbekannte Gesichter. Die Stimmung ist entspannt. Man kommt ins Gespräch, guckt mal mehr und mal weniger auffällig auf die Brust des Gegenübers. Lässt sich selbst auf den namensbeschilderten Busen schauen. Sieht, wie es manchmal rattert: bestoftwoworlds.de – kenne ich die? Die Sonntagsmuttis – habe ich irgendwie schon mal gehört. 

Dann kommt der erste Vortrag. Und er haut mich um. Was Sebastian Fitzek da erzählt, ist so wahr, so toll, so inspirierend. Er hat viel erzählt, aber das, was für mich wichtig war, behalte ich mir, sauge es auf. Hüte dich vor Schwellenhütern. Höre nicht auf die anderen, besser gesagt: Lass dich nicht von ihnen runterziehen. So langsam stellt sich bei mir das Gefühl ein, dass ich hier richtig bin. Dass ich hier hingehöre, aber vor allem auch dazugehöre. 

Der zweite Vortrag von Nicole Staudinger bestätigt dieses Gefühl nur noch. Das, was sie zu sagen hat, sagt sie auch zu mir. Fürchte dich nicht, sorge dich nicht. Mach das Beste draus. Der restliche Tag ist mein persönliches Initiationsritual. Während ich zuhöre, rede, anschaue, beobachte, frage, diskutiere und lerne, formt sich ein Gedanke in meinem Kopf: Du hast nicht nur einen Blog, nein, du bist Bloggerin. Schnell schäme ich mich ein bisschen und finde mich selbst irgendwie eingebildet. Aber vielleicht … naja, nur vielleicht … stimmt es ja doch?

Auf der Zugfahrt nach Hause sitze ich dann mit zwei Paar Kopfhörern da. Einer ist an den Rechner angeschlossen, der andere ans Mobiltelefon. Überall Äpfel, weiße Kabel, tippende Finger. Ich höre unsere neue Podcast-Folge noch einmal an, lade sie auf den Blog hoch, telefoniere mit Judith, schreibe mit Tante Kante, mache eine Story und und und. Ich sehe mich von außen, sehe, wie lächerlich-möchtegern-wichtig das aussehen muss. Aber irgendwie schäme ich mich nicht, denn diese Vorstellung hat sich in mir verhärtet: Ich glaube, ich bin wirklich eine Bloggerin. Mit allem, was dazugehört. Auch mit dem Peinlichen, dem Klischeehaften. Ich denke, ich kann mich daran gewöhnen. 

Epilog

Als ich Sonntagabends nach Hause komme, ist die Freude groß. Vor allem über die Geschenke, die Mama mitgebracht hat. Ist klar. Aber die Kinder scheinen mich aufrichtig vermisst zu haben. Wie sehr, das soll ich am nächsten Tag erfahren. Denn über Nacht bekommt meine große Tochter Fieber und kann nicht in die Schule gehen. Der kleine Bruder stürzt auf der Fahrt zum Kindergarten so schwer mit dem Fahrrad, dass mein Mann umdreht und ihn wieder nach Hause bringt. 

Ok. Botschaft ist angekommen. Sie fanden es wohl so medium, dass ich drei Tage weg war. So habe ich mir das zwar nicht vorgestellt, aber da ich noch voller Energie von diesem tollen Wochenende bin, schaffe ich den Tag mit drei bzw. vier Kindern alleine ziemlich locker. Aber ich werde ihnen für nächstes Jahr trotzdem eine subtilere Variante des Protestes vorschlagen. Sie können mir ja einen Brief schreiben, in dem sie mir sagen, wie kacke sie das finden. Oder ein Bild malen. Das würde ja auch reichen. Denn eines ist klar: I’ll be back in Berlin next year.  

Hier die Links zu all den Partnern, die das Event möglich gemacht haben

Und das Team der Blogfamilia:

Laura von Heute ist Musik, Lisa von Stadt Land Mama, Christian vom Familienbetrieb, Henrike von Nieselpriem, Janni, Thomas und Thomas von Ich bin dein Vater, Alu und Konsti von Große Köpfe und diesmal leider nicht mit dabei: Jürgen von Filterkaffeeliebe

2 Gedanken zu „Educating Anna

  1. Judith Golightly sagt:

    Und es war so schön, dass ich dich begleiten durfte!! Ich hätte mich sicher alleine auch nicht so getraut! Denn auch ich bin noch nicht richtig angekommen in der Bloggerwelt.
    Und Danke für deine Freundschaft ❤️
    …Ich hoffe doch, dass wir uns schon vor der nächsten Blogfamilia wiedersehen 😘

  2. ilayda.and.me sagt:

    Ich habe etwas die Luft angehalten beim Lesen. Das war ein turbulenter Start in dein Bloggerwochenende. Nach Luftholen und weiterlesen kann ich einfach nur sagen, wie schön es ist, deine Zeilen zu lesen. Liebsten Gruß zu dir

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