Die Rituale anderer Familien

Wenn man Kinder hat, kommt man nicht umhin, sich mit anderen Eltern darüber zu unterhalten, wie verschiedene Dinge in den jeweiligen Familien gehandhabt werden. Ich bin niemand, der sich davon verunsichern lässt, was andere so machen. Aber interessant ist es allemal und manchmal denke ich: „Ach, das ist eigentlich keine blöde Idee. Das könnten wir ja mal probieren.“ So ging es mir auch vor einiger Zeit mit dem Thema baden. Wir haben das eigentlich immer nach dem Abendessen und vor dem Sandmännchen gemacht. Eine Freundin von mir erzählte mir dann jedoch, dass sie ihre Kinder immer vor dem Essen badete, da es dann danach direkt ins Bett gehen konnte. Ich dachte nach und musste zugeben, dass es bei uns durchaus hin und wieder großes Geschrei gab, da die Kleinen einfach nach dem Abendessen ziemlich müde waren und unbedingt ihre 20 Minuten Fernsehen schauen wollten und dann ins Bett. Außerdem fand ich die Vorstellung extrem süß, wie meine drei Kinder mit vom Baden geröteten Wangen im Bademantel am Esstisch sitzen. Gesagt, getan. Wir stellten also unser Abendritual ein bisschen um und badeten die Kinder vor dem Essen. Und tatsächlich: da saßen sie nun alle drei mit roten Bäckchen in ihren kleinen Mäntelchen am Tisch. Wie süß.

Kind 1 saß jedoch recht bald mit offenem Bademantel am Tisch und sah nun weniger nach einem süßen Jungen, denn vielmehr nach Hugh Hefner aus. Die Mittlere hatte es nach gefühlten 2,7 Sekunden geschafft, ihre sauberen, nach Calendula duftenden, langen Haare in ihr Glas mit Apfelschorle zu tauchen. Unser Kleinster schaffte es in ungefähr der gleichen Zeit seinen kompletten Körper mit Essen zu bekleckern. Denn er war beim Klettern auf seinen Hochstuhl bereits der Meinung gewesen, dass er seinen Bademantel besser „au-zien“ sollte. Ok, den Kräuterquark kann man mit einem Feuchttuch wieder von Bauch, Armen und Kniekehlen wischen. Aber die Frisur, die er sich mit seinen fettigen Händchen und dem Kommentar „Creme drauf“ geschaffen hatte, verspricht noch bis zum nächsten Tag einen ranzigen Genuss. Das beste an diesem Abend war jedoch die nachfolgende Flitzerjagd durch Küche und Esszimmer, die ihren krönenden Abschluss darin fand, dass Kind Nummer 3 in der selbst geschaffenen Pipipfütze ausrutschte. Soviel zu anderen Sitten.

Ich denke, wir stellen unser Ritual bald wieder auf unser eigenes, ursprüngliches um.

Oder auch nicht. Weil es so süß ist.

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